Lars geht nach 48 Jahren in den Ruhestand

1972 war es für Lars Alexandersson selbstverständlich bei Hallberg-Rassy anzufangen. Sein Vater und sein Onkel hatten zusammen eine Bootswerft auf der Insel Orust. Als Jugendlicher war Lars oft dort und lernte sorgfältig zu arbeiten. Diese Eigenschaft hat zu einem erfolgreichen Kurs bei Hallberg-Rassy geführt. Er begann schrittweise mit der Verlegung von Teakdecks , dann ging es in die Innenschreinerei, bis er die Verantwortung für die gesamte Produktion bekam.

Lars Alexandersson startete seine Karriere bei Christoph Rassy in Kungsviken. Das Jahr war 1972 und die zwei Werften Hallberg und Rassy wurde eine Werft. Aber als Lars zu seinem ersten Arbeitstag nach Kungsviken kam, war niemanden bekannt, dass er anfangen würde, und ihm wurde gesagt, dass die Werft nach Ellös ziehen würde. Dort empfing Produktionsleiter Sven Nyström.

-Als ich nach Ellös kam und die Produktion von Rasmus, P28, Mistress und Mistral sah, fühlten ich mich großartig. Ich war 19 Jahre alt, voller Erwartungen. Meine erste Aufgabe war die Verlegung von Teakdecks. Ich habe die Arbeit von einem erfahrenen Mann gelernt. Die Rasmus hatte zu diesem Zeitpunkt noch kein Teakdeck und auch die P 28 bekam erst kurz vor der Einstellung des Modells ein Teakdeck. Der Trick bei der Arbeit bestand darin, Holzleisten mit der richtigen Maserung auszuwählen und sie so zu verlegen, dass sie harmonisch mit Seitendecks, Mittfisch und dem Rahmenholz zusammenpassten.

Nach ein paar Jahren wurde Lars Einrichtungsschreiner; einer Spezialität mit hohem Status auf der Werft. Nach acht Jahren wollte er etwas Neues ausprobieren und begann ein Studium für Holztechnologie an der Universität. Der Wunsch Boote zu bauen blieb und so fing Lars nach seinem Abschluss wieder bei Hallberg-Rassy an.

-Es waren gute Zeiten und es gab viel zu tun auf der Werft in Ellös. An einem Sonntag im November 1989 rief mich Christoph zu Hause an und wollte, dass ich am Montagmorgen um sieben Uhr in seinem Büro auftauche. Ich hatte gerade wieder auf der Werft angefangen und habe mich natürlich gefragt, was ich verkehrt gemacht hatte. Aber er fragte mich, ob ich der Bauleiter für die neue 36er sein wollte.

Die Werft hatte schon 50 Exemplare verkauft und brauchte jemanden, der sicherstellen konnte, dass die Produktion funktionierte, damit die Yachten termingerecht ausgeliefert werden konnten.

Bei der Suche nach einem neuen Bauleiter holte sich Christoph Rat von erfahrenen Mitarbeitern, wie Benny Martinsson, der Lars Qualifikation und die Zusammenarbeit mit ihm sehr schätzte.

„Ihr werdet nicht in der Lage sein, so viele Bestellungen zu bearbeiten", wurde uns gesagt und zur Weihnachtszeit war ich nervös. Wir hatten nur fünf Exemplare fertig und hatten 45 weitere Boote zu bauen, die noch vor dem Sommerurlaub ausgeliefert werden mussten. Es war sehr viel Arbeit, aber wir haben es geschafft, alle Yachten pünktlich zu liefern, sagt Lars mit Stolz.

Für den 35-jährigen Lars war es ein großer Schritt, so früh eine so große Verantwortung zu übernehmen.

-Aber es lief gut, ich war an der Einführung der Spritzlackierung der Inneneinrichtung beteiligt, die ein deutlich besseres Oberflächenfinish und auch ein deutlich besseres Arbeitsklima im Vergleich zu der alten Art des Schleifens und Handlackierens in den Booten ermöglichte. Mit Hilfe der neuen, schnelleren Methode, die Inneneinrichtung vorzubereiten, musste man nicht mehr warten, bis der Lack getrocknet war. Wir konnten das Tempo erhöhen und die versprochenen Lieferzeiten einhalten, ein heiliges Versprechen für Christoph, der Druck machte, denn er wollte die 36er pünktlich zu Wasser bringen. Zur gleichen Zeit wurde die Produktion der Hallberg-Rassy 45 begonnen und außerdem wurde die 49 gebaut, die 42E, die 352, die 312, die 29 und der 94 Kutter…

- Die 36er war aus produktionstechnischer Sicht ein Vorreiter beim Bau von Hallberg-Rassy-Yachten. Um mit so vielen Einheiten gleichzeitig zurechtzukommen, wurden viele Änderungen an der Produktionsstruktur vorgenommen, die später bei allen anderen Modellen eingeführt wurden. Darüber hinaus war es wichtig, dass man die unterschiedlichen Stärken der Kollegen kennt und diese nach dem Prinzip "Den richtigen Mann am richtigen Ort" platzieren kann. Die Mitarbeiter besitzen eine sehr hohe Loyalität und Berufsehre. Dies wurde deutlich, als Hallberg-Rassy nach dem starken Rückgang des Marktes im Jahr 2009 wieder Mitarbeiter einstellen konnte, und viele mit Ja antworteten, obwohl sie ihre eigene Firma gegründet oder andere Jobs bekommen hatten.

 

Ein bedeutender Unterschied der heutigen Produktion zu 1989 ist, dass früher für alles von Hand Schablonen machen werden mussten, sowohl für Möbel als auch für z.B. Tanks und Bug- und Heckkörbe. Das nahm viel Zeit in Anspruch. Heute haben wir fast alle Details im Computer gezeichnet. Was im nächsten Schritt bedeutet, dass die Teile mit großer Präzision CNC-gefräst werden können. Das spart viel Zeit für die Holzarbeiten und verursacht minimalen Verschnitt. Darüber hinaus gibt es heute Konstruktionszeichnungen für das meiste, so etwas hat früher völlig gefehlt.

Lars Alexandersson kombiniert geschickt seine Fähigkeiten in Bootsbau und Organisation. Er hat immer im Focus, dass die Zeiten eingehalten werden. Er ist täglich in den Bauhallen unterwegs und prüft, wie es zeitlich bei wichtigen Stationen wie Holzarbeiten und Technik im Vergleich zur Produktionsplanung steht.

-Die heutigen Boote sind etwas schneller zu bauen. Die Zeitersparnis in der Produktion wird jedoch für die Montage aller fortschrittlichen Geräte aufgewendet. Die Boote sind komplexer als zuvor, da viel Elektronik und einige fortschrittliche Zusatzausrüstung installiert werden müssen. Qualifizierte Motor- und Elektrotechniker werden zunehmend benötigt.

-Ich gebe gerne zu, dass es wunderbar ist, zu sehen, wie eine Yacht zu Wasser gelassen wird. "Du solltest niemals zufrieden sein", lautet mein Motto. Für mich war es sehr spannend, Verantwortung für den Alltag zu haben, an der Entwicklung neuer Modelle beteiligt zu sein und auch Personalverantwortung zu übernehmen. Ich hatte einen sehr interessanten Job in einem sehr interessanten Unternehmen.

Nachfolger von Lars wird Peter Abrahamsson, geboren 1969. Er fing 3. Juni 1987 auf der Werft an. Davor besuchte ich die Bootsbauerschule auf Östrabo in Uddevalla.

-Du bist ein Tag pro Woche zur Schule gegangen und vier Tage der Woche war Praxis in der Werft angesagt. Ich erinnere mich, dass am 3. Juni der letzte Schultag am Morgen endete und ich am Nachmittag desselben Tages auf der Werft anfing zu arbeiten. Davor habe ich zwei Sommer auf der Werft gearbeitet.

Peter hat im Laufe der Jahre eine solide und umfassende Erfahrung aufgebaut und unter anderem an verschiedenen Arbeitsleitungs-Ausbildungen teilgenommen.

-Ich habe 1986 mit 16 Jahren mit dem Verlegen von Teakholzdecks begonnen. Dann habe ich mit der Innenmontage bei der 42E weiter gemacht. Danach war ich Einrichtungstischler. November 2005 wurde ich Arbeitsleiter. Einige Zeit war ich auch für den Einkauf verantwortlich. Ich war an der Installation einer Lackierstraße beteiligt und für den Betrieb dort verantwortlich.

Peter hat für kurze Zeit bei einer anderen Bootswerft gearbeitet, die es heute nicht mehr gibt. Er war auch als Produktionsleiter auf einer Werft tätig, die Berufsschiffe für staatliche Käufer, Unternehmen und die Seenotrettung baut.

-Ich war zum Beispiel für den Bau des Rettungskreuzers ”Mai Rassy” verantwortlich, obwohl wir damals während des Baus nicht wussten, dass Familie Rassy Spender war und wie das Schiff heißen würde. Ich fühle mich hier bei Hallberg-Rassy am wohlsten, es ist eine andere und bessere Ordnung und ein anderer Glaube an die Zukunft als anderswo, wo ich gearbeitet habe.

 

Lars Alexandersson, to the left, recieves a gold watch and a bottle of champange on his last work day

Lars Alexandersson

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Peter Abrahamsson

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